The Sparkles – Episode 2 „Mono-ton-nie!“

Hier ist sie, die nächste Episode aus dem Tourleben der Band „The Sparkles“ und ihrer Crew.

An dieser Stelle tragen wir wirklich geschehene Kuriositäten aus der Tour- und Veranstaltungsbranche zusammen. Der Unterschied besteht darin, dass unsere fiktive Band „The Sparkles“ mit ihrer fiktiven Crew all diese Episoden erlebt. Nun kommen neue Player ins Spiel und unsere Charaktere entwickeln sich!

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Episode 2 – Mono-ton-nie!

 

„Hier, Kollege. Nur Milch. Kein Zucker.“ „Korrekt, mein Lieber. Danke.“ Lenny nahm den Kaffeebecher von Jonas entgegen und lächelte. Er stellte den Becher sofort ab und widmete sich wieder seinem Monitorpult, an dem er vorher fleißig programmiert hatte. Jonas, der sich gerne durch nette Gesten hervorhob, tourte erst seit 4 Wochen mit „The Sparkles“.

Jonas mischte den Sound in der Halle – Lenny auf der Bühne wo es gerade abwechselnd aus den zahlreichen Monitorboxen rauschte. Die Bühnenleute Kai und Sophia zeigten Lenny die Positionen zur Kontrolle an. Das eigenartige Paar wurde von ihm insgeheim „Jitter und Glitch“ genannt, was mit einem unglücklichen Ereignis bei einem Festival-Gig zu tun hatte. Die großen Probleme mit den Signalen gab es dort nach Lennys Ansicht wegen Kai und Sophia. „Und? Alles fertig?“, fragte Jonas. „Klar. Schon lange. Es fehlen wieder nur die Gaukler.“ Lenny sah auf die Uhr. „Seit 20 Minuten ist eigentlich Soundcheck.“ „Und Einlass ist in 25 Minuten.“ „Ach mach dich nicht verrückt, Jonas. Du gewöhnst dich noch an die Chaoten. Eigentlich brauchen die keinen Soundcheck.“

Wie auf ein Stichwort schoss Mike, der Tourmanager der Sparkles, durch die Tür, die zu den Garderoben führte. „Hi, schick mir sofort Kai und Sophia raus zum Bus. Die Band ist da, aber wir müssen schnell das neue In Ear an den Start bringen.“ Mike verschwand wieder. „Das was? Was für ein Scheiß In Ear?“, rief Lenny. „Na, ich gehe besser zum Pult“, sagte Jonas und zwängte sich durch den Moltonvorhang. „Toll, Herr Kollege. Danke für den scheiß Kaffee“, grummelte Lenny. Kai und Sophia sahen ihn fragend an. „Was ist? Ihr habt es doch gehört: Holt das IN EAR, von dem ich nicht in Kenntnis gesetzt wurde!“ Als die Funktionseinheit Jitter und Glich loslief, ergänzte er: „Mit mir redet ja hier eh keiner! Hier macht ja jeder, was er will!“ „Stress?“, fragte Jupp, der unvermutet mit seinem Kaffeebecher neben ihm stand. „Ich? Niemals. Und du? Ausgeschlafen?“ „Fick dich, Tonhucke.“

Einen Augenblick später, stand Lenny hinter seinem Mischpult.

Zwar wollten nur Larissa, die Sängerin, Peter, der Saxophonist und Max, der Gitarrist einen In Ear-Sender, aber für Lenny bedeutete es einen Riesenaufwand angesichts der Kürze der Zeit. In Windeseile hatte er das neue Rack verkabelt, freie Funkfrequenzen einprogrammiert, entsprechend das Mischpult umkonfiguriert und die Antennen aufgebaut. Ihm tropfte der Schweiß in dicken Tropfen auf das Mischpult. Kai und Sophia hatten es in dieser Zeit gerade geschafft, die Batterien an den Belt-Packs zu erneuern. Die Musiker standen bei Lenny und wechselten sich ab mit sinnvollen Tipps und fadenscheinigen Entschuldigungen für die Aktion. „Weißte, hatten wir eigentlich im Pier 2 drüber gesprochen, Digga. Dachten, du hättest das am Start, weißte?“, stellte Max klar. „Achte schön auf meinen Raum, ja Lenny?“, bat Larissa. „Wir schieben den Einlass halt ein bisschen nach hinten. Ich brauche nun mal meinen Soundcheck mit dem Ding“, beharrte Peter. „Warum seid ihr dann nicht früher gekommen?“, zischte Lenny. „Los, bitte alle auf die Bühne. An die Gewehre. Wo bleibt der Rest?“

 

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Endlich hatten sich alle Bandmitglieder auf der Bühne eingefunden und fingen an, einen ihrer Songs zu spielen. Hektisch kam Larissa zum Monitorplatz. „Machst du mir ein bisschen mehr CRISP aufs Ohr? Und denk an meinen Raum.“ Lenny nickte. Er hatte keine Idee, was sie meinte. Der nächste Kandidat war Peter. „Mach das mal irgendwie anders, Lenny.“ „WIE ANDERS?“ „Ich weiß auch nicht wie. Du bist doch der Profi. Und lass vorne die Wedges an, bitte. Bei uns allen.“ Lenny schraubte sich einen Wolf. Mit dem CUE-Pack und seinem Tablet betrat er die Bühne. Die Rythmussektion, für die sich ja nichts geändert hatte, gab ihm Daumen hoch oder nickte zufrieden. Max, der Gitarrist, packte ihn am Ärmel: „Hey, das ist so indirekt bei mir.“ Lenny hörte den Monitorweg ab. Alles schien normal. Sehr gitarrenlastig. Viel Snare. Aber nicht indirekt. Da trat Sophia einen Schritt vor und schaltete Max das Beltpack ein. „Besser?“, fragte sie. Max nickte. Lenny wollte zurück zu seinem Pult, aber Larissa und Peter versperrten ihm den Weg. „Kannst du das ein bisschen so einstellen, dass es groovt?“, fragte Peter. „Und ich brauch mehr mich!“ „Ist klar“, sagte Lenny. „Mach mir einfach ALLES lauter! Und mich dann noch ein kleines Stück mehr als jetzt.“ „Auch das, liebe Larissa.“ „Was?“, fragte sie. Dabei nahm sie einen Stöpsel aus dem Ohr. „Ah. So ist es viel besser. da höre ich mehr vom Saal. Rrrrocking Lover…“ Sie ließ ihre Bemerkung in Gesang übergehen. Lenny hatte jetzt genug. Er verließ die Bühne. Max hatte noch nicht genug. Dank der drahtlosen Verbindung seiner Les Paul mit dem Verstärker konnte er ebenfalls die Bühne verlassen, um Lenny eine weitere Nachbesserung seines In Ear – Mixes anzutragen. „Ey. Ich habe den Amp jetzt auf Anschlag. Aber die Gitarre wird nicht lauter auf dem Ohr. Digga, ist da irgendwas an Effekt drauf? Insgesamt kommt mir mein Mix sehr heiß vor.“ „Da ist ein Limiter drauf, damit den anderen nicht der Kopf wegfliegt“, gab Lenny zu. „Wäre ein kurzer Hall nicht cooler?“ Lenny konnte nur langsam den Kopf schütteln. Zum Glück unterbrach sie Mike, der Tourmanager. „Wir müssen aufmachen. Seid ihr durch?“ „Keine Ahnung? Was weiß ich? Das war hier nicht meine scheiß Idee!“ Im selben Moment fragte Jonas über die shout box: „Wie sieht es aus? Seid ihr durch? Der Örtliche will Einlass machen.“ Lenny schnappte sich das Mikrofon und gab ihm eine spontane, emotionale Antwort: „Pass mal auf, wenn du mir jetzt auch noch auf den Sack gehst, kannst du dich heute Abend hier hinstellen, du Panorama-Jockel vom Front of House!“ „Du solltest dich beruhigen“, empfahl Max. „Ich bin ruhig“, sagte Lenny. „Wirklich?“, fragte Mike. „JA, VERDAMMT NOCHMAL!“ Plötzlich legte sich Ruhe wie eine Wolldecke über die Szenerie. Die Band hatte aufgehört zu spielen. Einen Moment später ging im Saal die Einlassmusik an. Der Alptraum war vorüber. Lenny stand jetzt kurz vor den Tränen. Larissa klopfte ihm auf die Schulter und zeigte ihm Daumen hoch, als sie von der Bühne ging. „Mein Sax minimal lauter. Ich gebe dir nachher Zeichen. Egal was für ein Zeichen ich gebe. Es bedeutet: Mein Saxophon lauter“, erklärte Peter. Lenny sah Max an, der sich die Hörer herausgenommen hatte und immer noch bei ihm stand. „Was ist noch?“ „Sag mal. Kann ich meine IPhone-Hörer auch nehmen? Die sind ziemlich gut.“ „Wage ich zu bezweifeln. Deine Angepassten sind besser.“ „Ehrlich?“ „Ja, ganz bestimmt.“ „Dann mach mir auf beide Ohren Mono.“

 

Text: Tom Fuhrmann – tomfuhrmann blog
Illustration: Friederike Lenz – www.friederikelenz.de

Erstellt am 26.03.2018 in Stories

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